Mindset

3 Gründe, warum die vorzeitige finanzielle Freiheit nur scheinbar das Ziel ist

„F*** dich, Chef! Ich bin raus!“

Zwei Monate später liege ich im weißen Sand der Bahamas.
Nächste Woche geht es nach Kuba.
Die Woche darauf schwimme ich im Pazifik vor Mexiko.

Ich habe die finanzielle Freiheit und damit mein Ziel erreicht.

Oder doch nicht?

Die finanzielle Freiheit ist der neue heilige Gral. Es vergeht kein Tag, an dem nicht ein neuer Blog- oder Zeitschriftenartikel über sie erscheint. Wer finanziell frei ist, kann sich von allen Zwängen entledigen.

Schlafen bis um elf, den ganzen Tag im Jogger herumlaufen, Tun und Lassen wonach es Ihnen begehrt. Kein Chef der nervt, keine lästigen Aufgaben, die unbedingt erledigt werden müssen.

Hört sich super an?

Ich sehe diesen Hype etwas kritischer. Auf den ersten Blick klingt es wirklich sehr verlockend. Sie sind an keine Konventionen mehr gebunden und können Ihr Leben komplett selbst bestimmen. Besonders für Angestellte erscheint dieses Szenario zu verlockend.

Aber ist es das wirklich?

Und wenn es wirklich Ihr absoluter Traum ist, selbstbestimmt zu leben, warum machen Sie es nicht jetzt schon?

Die Crux mit der finanziellen Freiheit

Der Begriff der finanziellen Freiheit ist ziemlich neu. Er wurde maßgeblich durch die Generation Y mitgestaltet, die stärker als die Generationen vor ihr nach Selbstverwirklichung sucht.
Der Grundgedanke hinter der finanziellen Freiheit ist, finanziell nicht mehr von einem Job abhängig zu sein und so seiner wahren Passion folgen zu können.

Die Generationen vor uns kannten diesen Luxus nicht. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts arbeiteten die Menschen häufig bis an ihr Lebensende. Der Grund dafür war die geringe Alterserwartung, die bei unter 40 Jahren lag. Da bekommen die heutigen Arbeitnehmer gerade mal ihre Mid-Life-Crisis.

Otto von Bismarck ging daher auch kein großes Risiko ein, als er sich zur Einführung der gesetzlichen Rente entschloss. Das Rentenalter von 65 Jahren erreichten die meisten Menschen gar nicht ernst.

Mit der Zeit verbesserten sich aber die Lebensumstände („leichtere“ Arbeit durch mehr Maschinen, bessere medizinische Versorgung), so dass die Menschen immer häufiger den Renteneintritt erlebten. Für die Industrie war die Rente ein Gewinn. Vorher mussten die Betriebe ihre Angestellten bis zum (Lebens-)Ende beschäftigen. Aus Altersgründen ließ deren Produktivität aber nach und sie verursachten so höhere Kosten.

Mit Einführung der gesetzlichen Rente konnten die Unternehmen ihre älteren Arbeitnehmer vorzeitig in den Ruhestand schicken. Diese hatten jetzt ein Auskommen und protestierten nur selten dagegen. Mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben hatten die Arbeiter auf einmal viel Zeit. Dieser vermeintliche Luxus wurde aber für viele zum Problem.

Zu viel Zeit? Und wo soll da das Problem liegen?

Das Problem der freien Zeit

Das Problem zeigt sich nicht direkt. Die ersten Wochen, vielleicht auch Monate, ist es noch ganz nett, nichts tun zu müssen.
Sie nehmen sich die Zeit, endlich alles nachzuholen, was Sie vorher nicht geschafft haben. Das Haus umbauen. Einen langen Urlaub machen. Ausschlafen.

Aber irgendwann ist die Liste abgearbeitet. Dann kommt die Leere.
Wenn also der vorzeitige Ruhestand – und nichts anderes ist die finanzielle Freiheit – so negative Folgen hat, warum ist er das Ziel von so vielen Menschen?

Die finanzielle Freiheit als Exit-Strategie

Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema der finanziellen Freiheit. In 99% der Artikel, die ich gelesen habe, ist es das Ziel der finanziellen Freiheit ein selbstbestimmtes Leben.
Es geht den Menschen nicht um die Anhäufung von Reichtum, sondern um die Bestimmung über das eigene Leben und die eigene Zeit.

Als größtes Hindernis dorthin sehen viele ihren Job.
Die finanzielle Freiheit wird überproportional häufig von Menschen angestrebt, die in einem Angestelltenverhältnis arbeiten. Sie möchten raus aus diesem Trott und endlich tun, was sie wirklich wollen.
Gerade für diese Menschen ist die finanzielle Freiheit nicht das eigentliche Ziel, sondern nur ein Gedankenanker, um den Alltag zu ertragen.

Dafür will ich Ihnen drei Gründe nennen:

1. Sie quälen sich zur finanziellen Freiheit

Warum quälen Sie sich lieber viele Jahre lang in einem Job, der Ihnen keinen Spaß macht?

Warum suchen Sie sich nicht jetzt schon eine Tätigkeit, bei der Sie tun können, was Ihnen liegt?

Denn eines sollten Sie nicht vergessen: Die finanzielle Freiheit hat ihren Preis.

Sie kostet sie:

  • Geld (,das Sie jetzt nicht zur Verfügung haben, sondern ansparen.)
  • Zeit (Sie müssen sich einen Plan machen, wie Sie Ihre finanzielle Freiheit erreichen wollen. Das erfordert viel Recherche und Gespräche.)
  • Lebensqualität (Wenn Sie immer nur auf Ihre Sparquote achten, werden Sie Dinge verpassen. Ein nettes Abendessen, einen schönen Urlaub. Vielleicht ist es das wert, wenn Sie später dann frei sind. Definitiv entgeht Ihnen aber etwas in der Gegenwart.)
  • Nerven (Falls Sie wirklich sparen, um aus Ihrem Job rauszukommen, arbeiten Sie dort wahrscheinlich nicht gerne. Damit werden viele Tage für Sie zur Qual und kosten Sie Nerven.)

2. Es gibt die finanzielle Freiheit nicht

Wenn Sie die finanzielle Freiheit anstreben, haben Sie bestimmt schon Ihre Zielsumme festgelegt. Die Zielsumme ist der Betrag, den Sie ansparen müssen, um finanziell frei zu sein.
Eine Studie der Trinity-Universität in Texas besagt, dass bei einer soliden Anlage das 25-fache Ihrer Jahresausgaben Ihre Zielsumme ist.

Wenn diese Summe auf Ihrem Konto erscheint, hauen Sie dem Chef die Kündigung auf den Tisch.

Aber Achtung: Finanziell frei sind Sie immer noch nicht!

Sie haben Ihre Zielsumme sauber durchkalkuliert. Mit einer guten Anlage und einer Auszahlung von X% jeden Monat reicht die Summe bis Sie 95 sind.
Jetzt kommt der Haken: Ihre Anlage ist niemals sicher. Jedenfalls nicht zu 100%.

Selbst wenn Sie in deutsche Bundesanleihen investieren (was aus anderen Gründen aktuell wenig Sinn macht), ist das Geld nicht über Jahrzehnte sicher. Es können immer schlimme Ereignisse eintreten, die das gesamte Wirtschaftssystem aus den Angeln heben.

Sie sind also immer abhängig von Ihrer Anlage. Das ist zwar schon ein sehr großer Grad an finanzieller Freiheit, aber richtig frei sind Sie immer noch nicht.

3. Glückliche Menschen machen immer weiter

Ein 75-Jähriger rennt wie besessen über die Bühne. Von links nach rechts und zurück. 2,5 Stunden ohne Pause.

Er singt nicht mehr ganz ton- und textgenau, aber die Fans jubeln ihm zu.

Mick Jagger arbeitet auch im hohen Rentenalter noch.

Die Rolling Stones haben circa 200 Millionen Platten verkauft, das Privatvermögen von Jagger beläuft sich auf schätzungsweise 300 Millionen Dollar.

Ist er finanziell frei? Mit Sicherheit.

Hat er deshalb seinem Plattenboss die Kündigung gegeben. Zum Glück nicht.

Er – wie auch seine Bandkollegen – haben ihre Erfüllung in der Musik gefunden. Sie tun seit 1962(!) was sie wollen und haben Spaß an ihrer Tätigkeit.

Was können Sie daraus lernen?

Es ist viel reizvoller, hier und heute einer erfüllenden Tätigkeit nachzugehen, als sich zu kasteien und auf eine goldene Zukunft zu hoffen.

Eine Ausnahme: die Altersvorsorge

Irgendwann können und wollen Sie selbst die reizvollste Tätigkeit nicht mehr ausüben. Bei 99% der Menschen ist das der Fall. Ausnahmekünstler und –unternehmer mal ausgenommen.

Deshalb habe ich das Wort „vorzeitig“ in meine Überschrift aufgenommen. Auch wenn ich viel Freude an meiner Arbeit habe, kann ich sie mit 75 vielleicht nicht mehr ausüben und möchte nur noch mit meinen Enkeln spielen.

Es macht daher durchaus Sinn, die finanzielle Freiheit für die Zeit nach der Erwerbsarbeit zu planen.

Wenn Sie die finanzielle Freiheit anstreben, fragen Sie sich am besten vorher: Will ich nur von etwas wegkommen (Arbeit, Chef, frühes Aufstehen)? Falls ja, gehen Sie diese Dinge direkt an. Sie quälen sich sonst jahrelang durch einen Job, der Ihnen keinen Spaß macht. Zusätzlich belastet Sie eine hohe Sparquote, die Ihnen viel Freude am Alltag nimmt.

Falls Sie die finanzielle Freiheit für das Rentenalter anstreben, kommen Sie mit einer deutlich geringeren Sparquote aus – vorausgesetzt, Sie investieren klug.

Die Basis für Ihre finanzielle Freiheit

Beim Vermögensaufbau durch kluges Investieren helfe ich Ihnen gerne.

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Sie erfahren dort, welche Schritte unerlässlich für den Aufbau von Wohlstand sind. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Viel Erfolg beim Vermögensaufbau,

Stephan Hütter

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