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7 Argumente gegen das Arbeiten als Freelancer (und warum die meisten falsch sind)

Arbeiten als Freelancer

„Dein eigenes Online-Business in nur zwei Wochen!“

„Verdiene als Experte automatisiert 20.000 € im Monat!“

„Vom Penner zum Penthouse: Online ist alles möglich!“

Es vergeht aktuell kein Tag, an dem ich nicht dreimal Werbung für ein eigenes Online-Business sehe. Das scheint der neue heilige Gral zu sein. Sie bauen sich ein eigenes Online-Business auf und müssen dann nichts anderes mehr machen, als Geld zu zählen.
Endlich sind sie vorbei, die Tage der Knechtschaft als Freelancer oder schlimmer noch: als Angestellter.

Ja, ich bin ich auch froh, nicht mehr fest angestellt zu sein. Aber warum darf ich denn nicht mein Freelancer-Dasein genießen? Wenn ich den ganzen Experten glaube, gibt es außer einem eigenen Online-Business nichts mehr, was noch Sinn macht.
Sie kennen das vielleicht? Sie machen etwas, woran Sie Spaß haben und ständig quatscht Ihnen jemand rein.
„Das kannst du so nicht machen.“
„Das musst du anders machen“.
Das nervt auf Dauer. Freelancer-Bashing wird zur Mode. Was früher der Angestellte war, ist heute der Freelancer: die arme ausgenutzte Sau. Das ist kein Artikel gegen ein eigenes Online-Business. Dieses hat viele Vorteile und kann viele Abläufe wirklich erleichtern. Es ist aber ein Widerstand gegen das permanente Schlechtreden des Freelancer-Daseins.

Ich habe mir die mittlerweile gängigen Argumente gegen ein Leben als Freelancer angesehen. Um sie zu bewerten, müssen wir kurz klären, was der Unterschied zwischen einem Freelancer und einem Online-Unternehmer ist.
Der Freelancer akquiriert und erhält Aufträge, die er einzeln abarbeitet. Für jeden Auftrag wird er einzeln bezahlt.
Der Online-Unternehmer hat ein eigenes Business. Er verkauft ein standardisiertes Produkt oder eine Dienstleistung. Dieses hat er einmal erstellt und verkauft dasselbe Produkt immer wieder an die Kunden. Häufig arbeitet er mit automatisierten Verkaufsprozessen.

Mir geht es nicht darum, ein Modell zu verteufeln oder zu vergöttern. Ich will eine faire Betrachtung ermöglichen, denn beide Seiten haben Vor- und Nachteile.

 

1. Der Tausch von Zeit gegen Geld

Als Angestellter tauschen Sie Ihre Zeit gegen Geld. So die weit verbreitete Meinung. Als Freelancer behalten Sie dieses Schema bei. Sie werden für Ihre Arbeit bezahlt, in die Sie Zeit investiert haben.

Wenn Sie mal ehrlich sind, ist es aber überall so. Auch bei einem vollautomatisierten Business haben Sie zu Anfang sehr viel Zeit investiert. Sie haben ein Produkt geschaffen, einen Vertriebskanal aufgebaut und Marketingmethoden getestet. Wenn alles passt, läuft Ihr Geschäft in vielen Teilen automatisch ab.
Aber am Ende tauschen Sie auch hier Zeit gegen Geld. Nur mit einem anderen Verhältnis. Diese Tatsache können Sie sich jetzt schön rechnen oder nicht.

Mich stört ein anderer Punkt viel mehr an diesem Argument. Es ist die Geisteshaltung, die dahinter steckt. In dem Gedanken „Zeit gegen Geld“-Tauschen liegt die Annahme versteckt, dass Sie Geld als Kompensation für etwas bekommen, was Sie sonst nicht hergeben würden. Niemand würde seine Zeit einfach verschenken, ist die Vermutung dahinter.

Ich sehe das anders. Ich bekomme das Geld nicht als Aufwandsentschädigung. Ich bekomme das Geld für etwas, was ich gerne mache. Für etwas, was ich – Achtung, Revolution – auch ohne Geld machen würde. (Das ist keine Aufforderung, die Preise zu drücken 😉 )

Ich habe Spaß am Schreiben und sehe das Geld nicht als Kompensation für meine aufgewendete Zeit. Es ist ein Bonus. Deshalb tausche ich auch nicht meine Zeit gegen Geld.

 

2. Ein Online-Business schützt vor Auftragsflauten

Das Wirtschaftsjahr unterliegt Schwankungen. Viele Freelancer haben ein Sommerloch, ich auch. In der Zeit der großen Ferien ist traditionell weniger zu tun. Das ist normal und ziemlich gut vorhersehbar. Ein automatisiertes Online-Business soll vor solchen Schwankungen schützen. Es gibt keine Tiefs mehr, weil über genug Werbung immer Kunden generiert werden.

Mag stimmen, aber nur bedingt.
Die Menschen kaufen nicht das ganze Jahr über gleich viel ein, fragen Sie mal einen Einzelhändler. Es gibt umsatzstarke Phasen und umsatzschwache. Daran ändert auch der Wechsel ins Onlinegeschäft nichts.

Was ist aber der Beweggrund hinter der Aussage, dass ein Online-Business vor Flauten schützt und das Freelancer-Dasein nicht?

Es ist die Sorge, dass zu wenig Geld zum Leben reinkommt.
Dieser Angst lässt sich sehr gut begegnen. Mit der richtigen Vorsorge stehen Sie auch das Sommerloch durch. Oder wann auch immer Ihre Auftragsflaute ist.
Ein grundlegender Tipp für alle Selbstständigen ist es, Rücklagen zu bilden. Diese müssen gar nicht für schlimme, unerwartete Ereignisse genutzt werden. Sie sind auch für solche Phasen gedacht, wenn weniger Aufträge kommen. Legen Sie jeden Monat etwas zur Seite und Sie kommen problemlos durch die schwache Zeit.

Planen Sie die Flaute aktiv mit ein. Wenn Sie wissen, dass für vier bis sechs Wochen weniger zu tun ist, dann nutzen Sie die Zeit für Ihre Planung. Oder für Regeneration.

 

3. Nur mit einem Online-Business sind Sie zeitlich flexibel

Der Freelancer hetzt von Deadline zu Deadline. Er ist immer auf der Suche nach dem nächsten Kunden. So hat er sich sein eigenes Hamsterrad gebaut.
Das sehe ich anders.

Wenn man als Freiberufler durchgehend gehetzt ist, hat man bei der Planung seiner Tätigkeiten einen Fehler gemacht. Zu viele Aufträge angenommen, weil die Bezahlung nicht stimmt. Oder Deadlines zu eng gesetzt oder gesetzt bekommen.
Das ist alles Verhandlungssache. Manchmal müssen Sie dem Kunden auch sagen, dass seine Vorstellungen unrealistisch sind. Wenn er gute Arbeit möchte, muss er nicht nur Geld investieren, sondern Ihnen auch genügend Zeit geben. Ein solches Gespräch tut beiden weh, ist aber langfristig besser für die Geschäftsbeziehung.

Auch die andauernde Suche nach Kunden muss nicht sein. Klar, ich freue mich auch über (fast) jeden neuen Kunden. Mit neuen Kunden sind häufig neue Herausforderungen verbunden, was mir Spaß macht. Grundsätzlich sollten Sie aber an langfristigen Partnerschaften interessiert sein. Das gibt Ihnen und dem Kunden Sicherheit und spart die krampfhafte Suche nach neuen Aufträgen.

Wenn Sie Ihren Alltag so aufbauen, haben Sie viel Flexibilität. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist Miriam von wakeupstoked.com. Sie beweist, dass es mit der richtigen Planung auch als Freelancer möglich ist, jeden Tag zu surfen. Alles eine Frage der Organisation.

 

4. Ein Online-Business macht frei

Wenn ich mein Online-Business aufgesetzt habe, bin ich endlich frei. Dann kann ich machen, worauf ich Lust habe.

Geht’s noch? Als ob wir Sklaven wären.

Der Gedanke des Endlich-Frei-Seins stammt wahrscheinlich aus der Zeit als Angestellter, wo Sie sich des Öfteren Ihrer Freiheit beraubt gefühlt haben. Ich lese häufig, dass Menschen in solchen Situationen einfach nur ausbrechen und endlich tun wollen, was sie wirklich möchten.

Diese Freiheit besteht für viele Menschen aus vier Faktoren. Sie wollen selber bestimmen:

  • Was Sie tun.
  • Wann Sie es tun.
  • Mit wem Sie es tun.
  • Wo Sie es tun.

Um sich diese vier Freiheiten zu gönnen, müssen Sie kein Online-Business aufbauen. Das geht auch als Freelancer.

  • Sie bestimmen was Sie tun, indem Sie sich Ihre Arbeit selber aussuchen.
  • Sie legen fest, wann Sie es tun. Siehe Miriam oben.
  • Sie haben die Wahl, mit wem Sie es tun. Das ist das Tolle an der Selbstständigkeit. Sie müssen mit niemanden zusammenarbeiten, wenn Sie nicht wollen. Sie können Ihre Partner selber wählen.
  • Unter der Voraussetzung, dass Sie ein Online-Freelancer sind – und um die geht es in diesem Artikel – können Sie arbeiten, wo Sie wollen. Internet vorausgesetzt.

 

5. Als Freelancer können Sie nicht skalieren

Stimmt. Als Freelancer sind meine Einnahmen durch meine Zeit gedeckelt. (Nein, das widerspricht nicht Punkt 1.)
Wenn ich mehr verdienen möchte, muss ich mehr arbeiten oder meine Stundensätze erhöhen. Sobald ich Arbeiten auslagere und mir Unterstützung hole, baue ich schon ein Business auf. Das ist nicht schlimm, aber für diesen Artikel geht es um das reine Freiberufler-Dasein ohne Unterstützung. Meine Stundensätze kann ich auch nur bis zu einem gewissen Grad erhöhen, mein Einkommen ist also irgendwann gedeckelt.

In vielen gängigen Diskussionen können Sie lesen, dass Ihr Business skalierbar sein muss. Ohne Skalierung kein nachhaltiger Erfolg. Ein Business Plan ist erst dann gut, wenn Sie ohne Mehraufwand von 1.000 auf 10.000 Euro Umsatz skalieren können. Als reiner Freelancer können Sie das nicht.

Da stellt sich mir die Frage: Ist das schlimm?

Machen wir dazu eine Beispielrechnung. Wir nehmen einen Stundensatz von 100 Euro, der meiner Erfahrung nach realistisch ist. Zu diesem Stundensatz können wir vier Stunden pro Tag berechnen, weil die übrigen Stunden für administrative Aufgaben genutzt werden. Damit wir nicht ausbrennen, sind die Wochenenden frei. Wir arbeiten also vier Stunden am Tag, fünf Tage die Woche, vier Wochen im Monat. Macht 80 Arbeitsstunden im Monat, die wir berechnen können.

80 Stunden x 100 Euro = 8.000 Euro Einnahmen.

Ich finde diese Deckelung nicht schlecht 🙂
Ja, ich weiß. Es fallen noch Steuern, Versicherungen und sonstige Abgaben an.
Zahle ich auch, keine Sorge. Bleiben am Ende noch rund 4.000 Euro, vorsichtig gerechnet. (Legen Sie mich nicht drauf fest, es ist bei jedem unterschiedlich.)

Ein Studie der Universität Princeton fand heraus, dass sich das Glücksgefühl von Menschen ab einem Nettoeinkommen von 5.000 Euro monatlich nicht mehr durch zusätzliches Einkommen erhöht. Ich lasse Sie mit diesem Gedanken mal alleine.

 

6. Wenn Sie ausfallen, kommt kein Geld rein

Das ist leider wahr.

Wenn Sie als Freiberufler ausfallen, werden die Aufträge nicht fertig. Dann kommt auch kein Geld rein. Diese Tatsache lässt sich nicht wegdiskutieren. Es gibt natürlich Versicherungen, die für solche Fälle entwickelt wurden. Ob und in wieweit diese sinnvoll sind, müssen Sie für sich selber entscheiden.

Das eigene Online-Business ist an dieser Stelle aber auch kein Allheilmittel. Das gilt besonders für Leute, die noch am Anfang stehen und sich um die meisten Abläufe selber kümmern.
Wenn Sie Ihr Business automatisiert haben, gewinnen Sie Ihre Kunden sehr wahrscheinlich viel über Werbung. Auch diese Werbung will überwacht und optimiert werden. So bitter die Erkenntnis ist, keine Werbung läuft von alleine erfolgreich. Wenn Sie den Input in Ihren Verkaufstrichter nicht überwachen und optimieren, wird er irgendwann versiegen. Dann hilft auch die schönste Automatisierung im Backend nichts.

Ihren eigenen Ausfall können Sie ab einer gewissen Unternehmensgröße natürlich kompensieren. Wenn Sie ausreichend Mitarbeiter haben, kümmert sich jemand anderes um die täglichen Abläufe. Das Geschäft läuft dann erstmal weiter, auch wenn Sie nicht da sind.

 

7. Mein Business verdient Geld für mich, auch wenn ich im Urlaub bin

Auch wenn Sie Ihren Job lieben und die Tätigkeit für Sie kein Arbeiten ist, benötigen Sie Ruhephasen. In diesen laden Sie die Akkus wieder auf und können neue Ideen entwickeln.

Wenn Sie als Freiberufler Urlaub machen, verdienen Sie kein Geld. Wenn Sie als Online-Unternehmer Urlaub machen, schon. Für eine gewisse Zeitspanne können Sie Ihre Abläufe vorplanen und sich dann entspannt in der Sonne zurücklehnen. Die Verkäufe werden trotzdem weitergehen.
Als Freiberufler sind in dem Zusammenhang die Rücklagen umso wichtiger. Ich mache auch Urlaub. Gerne sogar. In der Zeit kommt kein Geld rein, deshalb plane ich entsprechend vor. Rücklagen ermöglichen auch dem „einfachen“ Freiberufler einen Urlaub, ohne ständig an Geld denken zu müssen.

 

 

Ich persönlich fühle mich sehr wohl als Freelancer. Trotzdem nutze ich gewisse Techniken von Unternehmern, um meine Geschäft einfacher zu machen. Die Auslagerung von Steuern und Buchhaltung bspw.

Wie sieht es bei Ihnen aus?
Arbeiten Sie als Freelancer und das auch noch gerne?
Oder bevorzugen Sie das Online-Unternehmertum?

Lassen Sie es mich in den Kommentaren wissen!


Glück auf

Stephan Hütter

 

Bildquelle:
Photo auf Pixabay, Lizenz: CC0

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